Governance und Organisation
Die SOA Governance legt die Regeln fest, nach denen innerhalb einer großen Organisation SOA-relevante Projekte genehmigt, geplant und abgewickelt sowie die entstehenden IT Systeme betrieben werden.
Die klassische IT Governance befasst sich u.a. mit dem traditionellen Lebenszyklus eines Projekts. Für unsere Betrachtung ist hier bemerkenswert, dass Projekte - bis auf wenige Ausnahmen - immer unter der Kontrolle eines einzelnen Fachbereichs ablaufen. Nach dem Projektende wird der auftraggebende Fachbereich in der Regel zum Owner des entstandenen Anwendungssystems bestellt. Der Owner steuert und finanziert die Weiterentwicklung und Pflege der Anwendung und trägt die Betriebskosten. Damit liegt die Kontrolle immer in einer Hand.
Eine SOA Governance ist eine Erweiterung der IT Governance, die die speziellen Anforderungen einer SOA adressiert. Der Kernpunkt ist die Wiederverwendung. Ein Service ist von seiner Natur her ein Stück Software, das von mehreren Fachbereichen genutzt wird. Beispielsweise kann ein Produkt-Service von einer Anwendung zur Produktionssteuerung und von einer anderen Anwendung für den Verkauf gemeinsam genutzt werden. Daher liegen die Entwicklung eines solchen gemeinsam genutzten Services und sein Betrieb nicht mehr in der Hand eines einzelnen Fachbereichs. Aus diesem Grund ist es essentiell, die Spielregeln festzulegen, nach denen Entwicklungsvorhaben für SOA Services umgesetzt werden.
Für die Organisation bedeutet eine SOA ein ganzes Bündel an Maßnahmen und Änderungen.
Als eine bewährte Best Practice hat sich die Gründung eines SOA Competence Centers etabliert. Ein SOA Competence Center hat zur Aufgabe, Projekten Mitarbeiter mit geeigneter Qualifikation zur Abwicklung von SOA-relevanten Projekten zur Verfügung zu stellen. Es koordiniert bereichsübergreifende Maßnahmen zwischen den verschiedenen Fachbereichen, den Projekten und dem Rechenzentrum. Der Leiter des Competence Centers tritt als Promoter der SOA Initiative innerhalb des Unternehmens auf und organisiert Management-Unterstützung und Funding.
Eine SOA Initiative hat auch Einfluss auf Standardisierungs- und Portfolio-Gremien. In diesen Ausschüssen sitzt in der Regel ein SOA-Delegierter.
Auf Ebene der Mitarbeiter stehen Unternehmen vor der Notwendigkeit ihre Mitarbeiter mit Schulungen für neue Aufgaben zu qualifizieren. So sind z.B. SOA Service Designer oder SOA Repository Manager neue Berufsbilder, die ihren Weg bis in die Personalabteilungen noch finden müssen. Dazu bedarf es neuer oder überarbeiteter Arbeitsplatzprofile. Intern und extern muss neues Personal für diese Aufgaben gewonnen werden. Auf Management-Ebene können Gehaltsmodelle überdacht werden, um beispielsweise zu ermöglichen, dass der individuelle Beitrag zum Fortschritt der SOA in die persönliche Bonusregelung einfließt.
